Allgemeine Erklärung

 

Im Apothekergarten Wiesbaden sind medizinisch genutzte Bäume, Sträucher und Kräuter vertreten. Will man sie in einem Begriff zusammenfassen, so sollte von Arzneipflanzen die Rede sein. Allzu gern spricht man von Heilkräutern, doch mangelt es diesem Ausdruck an Präzision. Ein Kraut ist eine nicht verholzende Pflanze. Das trifft, wenn Heilkraut im Volksmund gemeint ist, längst nicht immer zu. Und von Heilwirkung kann gleichfalls nicht in allen Fällen gesprochen werden. Oft wird nur die Linderung eines Leidens erreicht. Diese aufklärenden Gedanken sollten nicht unerwähnt bleiben. Daneben gibt es im Apothekergarten auch einige Pflanzen, die dekorativen Zwecken dienen und solche, die natürliche Farbstoffe liefern (Färberpflanzen).

Der Plan

1
Naturteich
2
Feuchtzone
3
Appetitlosigkeit
4
Verdauungsbeschwerden
5
Verstopfung
6
Entzündungen
7
Leber- u. Galleleiden
8
Doldenblütler
9
Korbblütler
10
Das besondere Beet
11
Mauerblümchen & Lippenblütler
12
Würzkräuter
13
Erkrankung der Harnorgane I und Sonderbeet „Heide“
14
Asthma
15
Homöopathen-Beet
16
Durchfall
17
Venenerkrankungen
18
Dekoration
19
Frauenleiden & Färberpflanzen
20
Signaturenlehre
21
Anthroposophen-Beet
22
Erkrankung der Harnorgane II
23
Minzsammlung
24
Husten
25
Nervosität
26
Herzbeschwerden
27
Klostergarten & Beet „Walahfried Strabo“
28
Beet „Hildegard von Bingen“

Beete

Historisch

Beobachtungsgabe, Empfindsamkeit, Überzeugungskraft, Fleiß und Kreativität waren erforderlich, um in einem langwierigen Entwicklungsprozess eine Anlage entstehen zu lassen, welcher die Bezeichnung Apothekergarten zuteil werden konnte.

Es musste überhaupt erst einmal erfahren werden, dass Pflanzenteile gegen Krankheitserscheinungen helfen. Dann bedurfte es der Kenntnis, in welchen Mengen sie wirksam sind, wo die dazugehörigen Pflanzen wachsen, wie diese sich fortpflanzen und wie und wann man sie ernten kann.

Ägypter, Azteken, Perser und Chinesen wussten das schon sehr früh, und zwar möglicherweise Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung. Somit waren sie in der Lage, Arzneipflanzen anzubauen, fortlaufend zu beobachten und zu beschreiben. Auf diese Weise hatte man auch im rechten Augenblick ausreichende Mengen des gewünschten Materials parat.

Mit der Entwicklung der Schriftzeichen präsentiert sich das Wissen über die Arzneipflanzen – jetzt lesbar festgehalten – in Form von Kräuter- und Vorschriftenbüchern.

Der Römer Cato beschreibt 200 v. Chr. Kräuter, die er selbst kultiviert.

Vom 8. Jahrhundert nach Christi Geburt an machen sich insbesondere die Benediktinermönche um den Anbau von medizinisch genutzten Pflanzen verdient. Die von ihnen gegründeten Klostergärten zu St. Gallen (dessen Nachbildung en miniature finden Sie in unserer Anlage) und Reichenau, in der klimatisch begünstigten Bodenseeregion also, erfahren vom 9. Jahrhundert an Bereicherung durch Gewächse aus dem Mittelmeerraum.

Etwa zu jener Zeit – Ende des 8. Jahrhunderts – wird das Wirtschaften mit Medizinal- und Agrarpflanzen sogar befohlen, und zwar von den deutschen Kaisern Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen.

Im Jahr 1240 wird der Berufsstand des Apothekers in hiesigen Breiten von jenem des Arztes getrennt und damit selbstständig. Von da an sind es die Apotheker, welche das Wissen über die Pflanzen bewahren und fortschreiben. Der Anbau von Arzneipflanzen verlagert sich aus den Klostergärten vornehmlich in die von Apothekern betreuten Viridarien (lat. viridis = grün; Viridarium = Garten, Park), die Apothekergärten also, welche dem Erforschen und Gewinnen der dort gezogenen Gewächse dienen.

Zuwachs erhalten die Apothekergärten im 16. Jahrhundert durch die Ausweitung der Seefahrt. So gelangt manche überseeische Kostbarkeit zur Zucht dorthin.

Die Apothekergärten waren die ersten Botanischen Gärten.