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Es war eine wertvolle Erkenntnis des Menschen, die Kraft der Pflanze zum Lindern und Heilen von Krankheiten einsetzen zu können. Insofern
war jede Gelegenheit – ein Apothekergarten beispielsweise – nützlich, die das Beobachten und Erforschen der Pflanzen ermöglichte.
Erfolge ließen nicht auf sich warten. Vom Beginn des 19. Jahrhunderts an nämlich war die Wissenschaft bereits in der Lage, den
Stoffwechsel der Pflanze zu erkennen mit dem Ergebnis, einzelne Wirkstoffe in reiner Form gewinnen zu können. War es fortan nicht
sinnvoll, diese Stoffe einzusetzen anstatt des pflanzlichen Auszugs, dessen Qualität von Klima, Bodenbeschaffenheit, Erntebedingungen,
Aufbereitungsweise und Lagerung abhängig war? Mit der Anwendung des reinen Wirkstoffs war in vielen Fällen noch nicht einmal der
Weisheit letzter Schluß erreicht: Die Stoffe wurden chemisch weiterentwickelt und solchermaßen wirksamer und verträglicher
gemacht. Somit schien der Siegeszug der Chemie auch auf dem Gebiet der Arzneimittel unaufhaltsam zu sein.
Gravierende Nebenwirkungen der „chemischen Keule” haben allerdings inzwischen – spätestens seit den sechziger Jahren unseres
Jahrhunderts – eine Trendwende hin zum (nicht immer!) harmlosen Pflanzenauszug verursacht. Aber selbst ohne Berücksichtigung dieser
Entwicklung lässt sich voraussagen, dass Pflanzenkraft auch künftig begehrt sein wird.
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Miniatur-Nachbildung des Klostergartens von St. Gallen aus dem 9. Jahrh. (oben)
Nicht nur Menschen schätzen die Kraft der Echinacea (links)
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Die Behandlung von Krankheiten mit Pflanzen, deren Teilen oder Auszügen daraus – die Phytotherapie – erfreut sich gerade bei uns
großer Beliebtheit und eines hohen Ansehens. Unter den Begriff Phytotherapie fällt das Anwenden eines Tees ebenso wie der Einsatz
industriell gefertigter Produkte auf pflanzlicher Basis.
Aber damit ist die Bedeutung der Pflanze noch längst nicht erschöpft.
Forschende pharmazeutische Unternehmen entsenden Expeditionen in entlegene Regionen des Erdballs, um auf diese Weise Arzneipflanzen mit neuen,
richtungweisenden Inhaltsstoffen ausfindig zu machen. Schließlich haben in der Vergangenheit die aus dem Morphin des Schlafmohns
entwickelten schmerzstillenden Arzneistoffe, das fiebersenkende Chinin der Chinarinde und die am Herz wirksamen Glykoside des Fingerhuts –
womit die Liste längst nicht komplett ist – die Medizin erheblich beeinflusst und unsere Lebensqualität und -erwartung erhöht.
Vergessen dürfen wir aber nicht, dass noch immer eine stattliche Schar von Krankheiten sich einer befriedigenden Behandlung entzieht:
Arteriosklerose, Leberzirrhose, Psoriasis, Krebs, Multiple Sklerose, Mukoviszidose, Morbus Crohn ...
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