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Beobachtungsgabe, Empfindsamkeit, Überzeugungskraft, Fleiß und Kreativität waren
erforderlich, um in einem langwierigen Entwicklungsprozess eine Anlage entstehen zu lassen, welcher
die Bezeichnung Apothekergarten zuteil werden konnte.
Es musste überhaupt erst einmal erfahren werden, dass Pflanzenteile gegen Krankheitserscheinungen
helfen. Dann bedurfte es der Kenntnis, in welchen Mengen sie wirksam sind, wo die dazugehörigen
Pflanzen wachsen, wie diese sich fortpflanzen und wie und wann man sie ernten kann.
Ägypter, Azteken, Perser und Chinesen wussten das schon sehr früh, und zwar möglicherweise
Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung. Somit waren sie in der Lage, Arzneipflanzen anzubauen, fortlaufend
zu beobachten und zu beschreiben. Auf diese Weise hatte man auch im rechten Augenblick ausreichende Mengen
des gewünschten Materials parat.
Mit der Entwicklung der Schriftzeichen präsentiert sich das Wissen über die Arzneipflanzen -
jetzt lesbar festgehalten - in Form von Kräuter- und Vorschriftenbüchern.
Der Römer Cato beschreibt 200 v. Chr. Kräuter, die er selbst kultiviert.
Vom 8. Jahrhundert nach Christi Geburt an machen sich insbesondere die Benediktinermönche um den Anbau
von medizinisch genutzten Pflanzen verdient. Die von ihnen gegründeten Klostergärten zu St. Gallen
(dessen Nachbildung en miniature finden Sie in unserer Anlage) und Reichenau, in der klimatisch begünstigten
Bodenseeregion also, erfahren vom 9. Jahrhundert an Bereicherung durch Gewächse aus dem Mittelmeerraum.
Etwa zu jener Zeit - Ende des 8. Jahrhunderts - wird das Wirtschaften mit Medizinal- und Agrarpflanzen sogar
befohlen, und zwar von den deutschen Kaisern Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen.
Im Jahr 1240 wird der Berufsstand des Apothekers in hiesigen Breiten von jenem des Arztes getrennt und damit
selbständig. Von da an sind es die Apotheker, welche das Wissen über die Pflanzen bewahren und
fortschreiben. Der Anbau von Arzneipflanzen verlagert sich aus den Klostergärten vornehmlich in die
von Apothekern betreuten Viridarien (lat. viridis = grün; Viridarium = Garten, Park), die Apothekergärten
also, welche dem Erforschen und Gewinnen der dort gezogenen Gewächse dienen.
Zuwachs erhalten die Apothekergärten im 16. Jahrhundert durch die Ausweitung der Seefahrt. So gelangt manche
überseeische Kostbarkeit zur Zucht dorthin.
Die Apothekergärten waren die ersten Botanischen Gärten.
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